Preisverleihung 2018

Ein Fernseh-Preis 2018 geht an

Eva und Volker A. Zahn (Buch), Nicole Weegmann (Regie)
Das Leben danach
Westdeutscher Rundfunk, Redaktion: Fernsehfilm und Kino, Produzent Valentin Holch, Co-Produktion: Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft


Begründung der Jury


Eva und Volker A. Zahn (Foto: Christoph Meinschäfer), Nicole Wegmann  

„Aber die, die tot sind, das sind die Guten … und wir, die überlebt haben, wir sind die Kaputten, die Arschlöcher, die nichts auf die Reihe kriegen“, sagt Antonia. Das Leben der jungen Frau ist mit der Katastrophe bei der Duisburger Love Parade aus den Fugen geraten. Seit sieben Jahren bestimmen Trauer, Angst, Zorn und Schuld Tonis Gefühlswelt, die sich in Zerstörung und Selbstzerstörung entladen. Toni ist schwer traumatisiert, sie ist ein Opfer, aus ihrer Sicht ein Opfer zweiter Klasse, weil sie überlebt hat. Voller Wut zerstört sie die Gedenkstätte für die 21 Toten im Tunnel und trifft anschließend auf Sascha, den Taxifahrer. Seine Familie zerbrach nach dem Unglück, auch er kämpft mit Schuld. Aus gegenseitiger Annäherung wird Zerstörung, als Toni erfährt, dass Saschas falsche Berechnungen mit zu der Katastrophe geführt haben.


Fotos: WDR
„Das Leben danach“ erzählt eine fiktive Geschichte der realen Tragödie und vermittelt: Genauso könnte es gewesen sein. Den Autoren Eva und Volker A. Zahn ist ein großartig dichtes, aber keineswegs überladenes Drehbuch gelungen – akribisch recherchiert, mit großer Empathie für Menschen, deren bisheriges Leben und damit ihre Zukunft durch die furchtbaren Geschehnisse gleichsam pulverisiert worden sind. Mit Nicole Weegmann ist eine Regisseurin am Werk, die eindringlich die gebrochenen Figuren inszeniert und ganz große schauspielerische Leistungen evoziert. Sie lässt uns Toni und Sascha nahekommen, ihre emotionalen Eruptionen mitfühlen, was bisweilen kaum auszuhalten ist, und dabei zugleich in ihre Abgründe blicken.

„Das Leben danach“ ist ein hochkomplexes, hochintelligentes Trauerdrama, das sich konsequent mit den Folgen von Schuldgefühlen und der Frage von Schuld auseinandersetzt, ganz nebenbei die institutionalisierten Bewältigungsversuche aufs Korn nimmt und am Ende des Tunnels vielleicht sogar die Möglichkeit des Verzeihens andeutet.

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